Die Waschmaschine gibt am Sonntagabend auf, das Auto braucht neue Bremsen, und im selben Monat kommt die Nachzahlung für die Nebenkosten. Jeder kennt diese Wochen. Ob so ein Monat Stress bedeutet oder nur ein Schulterzucken, hängt fast immer an einer Sache: ob ein Notgroschen da ist.
Ich werde oft gefragt, ob man nicht lieber gleich alles in Aktien steckt, weil das Geld auf dem Konto ja nichts bringt. Meine Antwort ist immer dieselbe: Erst kommt die Reserve, dann die Rendite. Wer an der Börse verkaufen muss, weil die Heizung kaputt ist, verkauft im schlimmsten Fall genau im falschen Moment.
Wie viel sollte es sein?
Die bekannte Faustregel lautet drei bis sechs Netto-Monatsgehälter. Das ist ein guter Startpunkt, aber nicht für jeden gleich passend. Ich rechne lieber mit den festen Ausgaben, also Miete, Strom, Versicherungen, Lebensmittel und Mobilität. Diese Summe mal drei ist die Untergrenze, mal sechs ist für die meisten Haushalte komfortabel.
- Angestellte ohne Kinder: drei Monatsausgaben reichen oft, weil Arbeitslosengeld und Kündigungsfristen etwas Puffer geben
- Familien: eher fünf bis sechs Monate, weil mehr Dinge gleichzeitig kaputtgehen können
- Selbstständige: sechs Monate oder mehr, weil Aufträge schwanken und keine Lohnfortzahlung greift
- Eigentümer: zusätzlich eine eigene Rücklage für Dach, Heizung und Fenster
Wo der Notgroschen hingehört
Der Notgroschen muss zwei Dinge können: Er muss schnell verfügbar sein, und er darf nicht schwanken. Damit fallen Aktien, Fonds und auch Festgeld mit langer Laufzeit raus. Bleiben das Tagesgeldkonto und für einen kleinen Teil das Girokonto. Auf dem Tagesgeld gibt es wenigstens etwas Zins, und das Geld ist in ein bis zwei Bankarbeitstagen auf dem Girokonto.
Ein Vorteil, den viele unterschätzen: Ein separates Konto schafft Abstand. Was nicht direkt neben dem Alltagsgeld liegt, wird seltener für einen spontanen Einkauf angetastet. Einlagen bei Banken in der EU sind bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich abgesichert, für einen Notgroschen ist das in aller Regel mehr als genug.
Was ein Notfall ist und was nicht
Hier wird es ehrlich. Ein neuer Fernseher im Angebot ist kein Notfall. Der Urlaub, der plötzlich günstig ist, auch nicht. Ein Notfall ist etwas, das Sie nicht geplant haben und nicht verschieben können: eine Reparatur, eine Zahnbehandlung, ein Jobverlust, eine kaputte Brille. Ich empfehle, diese Liste einmal schriftlich festzuhalten, bevor es ernst wird. Das klingt pedantisch, hilft aber enorm, wenn man später schwach wird.
So bauen Sie die Reserve auf
Kaum jemand hat sechs Monatsausgaben einfach so übrig. Der Aufbau dauert, und das ist in Ordnung. Am besten funktioniert ein Dauerauftrag direkt nach dem Gehaltseingang, auch wenn es am Anfang nur 50 oder 100 Euro sind. Wie viel Sie insgesamt monatlich zur Seite legen sollten, habe ich in einem eigenen Beitrag dazu durchgerechnet, wie viel Geld Sie pro Monat sparen sollten.
Steuererstattungen, Weihnachtsgeld oder ein Bonus sind ideale Beschleuniger. Wer die Hälfte davon direkt auf das Notgroschen-Konto schiebt, ist oft in einem Jahr am Ziel statt in drei.
Und wenn der Notgroschen voll ist?
Dann beginnt der schöne Teil. Alles, was über die Reserve hinausgeht, darf arbeiten, etwa in einem breit gestreuten ETF-Sparplan oder in Dividendenwerten. Wichtig ist nur, nach jedem Griff in die Reserve wieder aufzufüllen, bevor neues Geld in die Geldanlage fließt.
Fazit
Ein Notgroschen ist nicht aufregend, und genau das ist sein Job. Er sorgt dafür, dass ein schlechter Monat nicht zu einem schlechten Jahr wird, dass Sie keinen teuren Kredit brauchen und dass Ihre langfristige Geldanlage in Ruhe wachsen kann. Rechnen Sie Ihre festen Ausgaben einmal durch, eröffnen Sie ein eigenes Konto dafür und richten Sie den Dauerauftrag ein. Mehr braucht es für den Anfang nicht.